Unsere Verbindung mit dem Kosmos

Integrale Astrologie in der Integralen Lebenspraxis

Seit nunmehr 40 Jahren beschäftigte ich mich mit der Astrologie und betrachte sie heute immer noch als ein wertvolles Instrument für die Erfassung von der Struktur einer Persönlichkeit und ihrer Entwicklungsprozese. Auch für die Integrale Lebenspraxis kann sie wertvolle Hinweise geben und gute Dienste leisten.

Das persönliche Kosmogramm ist eine Brücke zur Verbindung des Menschen mit dem Kosmos und der Rhythmik der Planetenbewegungen. Der Leib des Menschen ist ein Mikrokosmos, der Entsprechungen zum Makrokosmos hat. Jedes Kosmogramm (exakte Zeichnung eines Hosroskopbildes) ist eine festgehaltene Momentaufnahme einer kosmischen Gesamtkonstellation, in die wir als Menschen eingebunden sind. Auch wenn die Konstellationen in einer solchen Zeichnung statisch zu sein scheinen, sind sie in Wirklichkeit hochdymamisch, denn mit den Rhythmen von Sonne, Mond, Planeten und anderen astrologischen Elementen (wie Aszendent, Meridian, Mondknoten usw.) bewegen sich diese Elemente und sind dadurch "lebendig" in ihrem Ausdruck. Die Konstellationen können vielschichtig interpretiert werden, was den Gedanken einer Integralen Astrologie notwendig macht.

Der Name Astrologie ist aus dem griechisch-lateinischen Wort astro-logia (astron = Gestirn und logos = Wort, Kunde, Wissenschaft) entlehnt und bedeutet soviel wie "Sternkunde" oder "Wissenschaft vom Einfluss der Sterne auf das irdische Geschehen". Ein Astrologe ist ein Sterndeuter. Das Wort Astronomie ist hingegen abgeleitet aus astro-nomia (astron = Gestirn und nomia = Sachkunde) und darf nicht damit verwechselt werden. Die Astronomie ist eine Naturwissenschaft und beschäftigt sich mit den Himmelskörpern, die Astrologie ist der Geisteswissenschaft zugehörig und beschäftigt sich mit den Korrespondenzen der Rhythmen und Archetypen der Sterne auf lebende Wesen.

Das Wort Horoskop ist abgeleitet aus dem griechischen Wort horo-skopeion und bedeutet eigentlich "Stundenschau" (abgeleitet auch von hora = Stunde und skeptesthai = Schauen). Ein Hosroskop ist eine Aufzeichung der Gestirne, die man zur exakten Zeit (Stunde) der Geburt am Himmel geschaut hat. In der modernen Astrologie wird heute für diese Zeichnung das Wort Kosmogramm verwendet. Für eine Erstellung und Deutung ist im alten Sinne auch noch Horoskop gebräuchlich.

Der Bezug der Rhythmen und Kräfte des Kosmos zu Körper, Seele und Geist des Menschen war eine Grundlage des Chakrasystems im Kundaliniyoga in Indien und fand auch in der jüdischen, arabischen und christlichen Mysitk ihren Ausdruck.

Die astrologischen Deutungselemente sind die 12 Tierkreiszeichen (Sonnenzeichen im Jahreskreis-Achsensystem), die 12 Häuser oder Felder (im täglichen Tag/Nacht-Zyklus der Horizont- und Vertikalachse an einem bestimmten Ort (Geburtsort, Aufenthaltsort), Sonne, Mond und Planeten, deren exakte Positionen in diesen Bezugssystemen festgehalten werden und die Verbindungen, die sie untereinander haben (Winkel). Die Berechnung eines Kosmogramms erfolgt aus Gestirnstandstabellen (früher aus den sogenannten Ephemeriden gelesen, heute mit digitalen Schnellrechnern auf 16 Dezimalstellen berechnet). Die Kombination dieser Elemente untereinander wird dann noch zusätzlich in Winkelbeziehungen berechnet und aufgezeichnet.

Alle diese Elemente haben Entsprechungen, die im Verlaufe der Jahrhunderte aus Erfahrungen und Grundstrukturen zu Deutungsrichtlinien zusammengetragen wurden. Solche Regelwerke unterliegen dem Zeitgeist und werden deshalb immer wieder neu geschrieben. Die Inhalte sind aber nicht beliebig, sondern versuchen sich weitgehend an die Grundstruktur zu halten. Die Deutungen sind also jedesmal Neuinterpretationen einer abstrakten Struktur, von denen die Deutungen abgeleitet werden. So werden diese Strukturen lebendig und für ihre Zeit immer besser erfasst, besser umschrieben und ausgedrückt. Die Qualität der Interpretation ist so auch immer vom Niveau und dem Wissen des Astrologen oder der Astrologin abhängig.

Jedes Kosmogramm kann auch auf verschiedenen Ebenen interpretiert werden: Auf der physischen Ebene (Physiognomie, Temperament, körperliche Dispositionen), seelischen Ebene (Emotionen, Gefühle, Empfindungen, Empathien), geistig (intellektuell, künstlerisch), sozialen Ebene (in den Beziehungen zu anderen, kulturell, beruflich usw.), spirituellen Ebene (auf das SEIN bezogen) oder rhythmischen Ebene (die Lebensspanne in den Phasen ihrer Entwicklung), wozu auch die Prognoseverfahren gehören., z.B. Transite, Progressionen, Solare usw. Die Attraktivität der Astrologie hängt mit der prognostischen Astrologie zusammen, die aufgrund bestimmter Verfahren Auskünfte über die Zukunft machen. Weil wir in Rhythmen von Sonne, Mond und Planeten eingebettet sind, können im Geburtsbild wiederkehrende Konstellationen oder ihre Abschnitte bestimmte Trends anzeigen. Man kann also die Frage stellen: was steht jetzt gerade oder zu einem bestimmten Zeitpunkt an Trends an? Oder: Was ist der günstigste Zeitpunkt für eine bestimmtes Vorhaben.

Eine Integrale Astrologie versucht alle Ebenen zu berücksichtigen und strebt auch an, dass von einer Ebene zur anderen Transformationsprozesse stattfinden. Das kann diagnostisch und therapeutisch genutzt werden. Nehmen wir an, dass in einem Geburtsbild eine Disposition zu einer Herzkrankheit (Sonne/Saturn) besteht. In der Astrologie wird die Aussagegrenze verletzt, wenn man daraus schliesst, dass der Betreffende mit Sicherheit ein entsprechendes Leiden bekommen wird. Die Anlage wird angezeigt und nicht das Ereignis als eine kausale Auswirkung. Wenn Risikofaktoren hinzutreten, kann sich diese Disposition tatsächlich zu einer Krankheit entwickeln und das zu einer Zeit, wo kritische Sonne/Saturn-Konstellationen gebildet werden, die das Thema wieder aktuell werden lassen.

Transformation heisst, dass die gleiche Konstellation auch auf einer anderen Ebene gedeutet und sich auswirken kann. So kann eine Sonne/Saturn-Anlage auf der seelischen Anlage auch als eine Einschränkung der Lebensenergie interpretiert werden oder als eine Neigung zur Depression. Hält ein solcher Zustand längere Zeit an, verlagert sich der ungelöste seelische Konflikt auf die physische Ebene und kann sich dort als eine organische Krankheit manifestieren. Den seelischen Zuständen vorausgehende geistige Konflikte können wiederum die seelischen Verstimmungen ausgelöst haben. Alle diese Zustände können auf andere Ebenen heruntertransformiert werden. Der intellektuell-geistigen Ebene übergeordnet ist die spirituelle, und diese wird von den meisten Menschen nicht bewusst wahrgenommen und ist damit oft ein verborgener vernachlässigter Faktor mit Folgen für die geistige, seelische und körperliche Gesundheit.

Die Astrologie kann man auch auf das AQAL-System von Ken Wilber anwenden, denn die vier Quadranten sind schon früh ein Archetyp in der Astrologie. Im System der zwölf Häuser oder Felder der Astrologie, die vom Aszendenten aus gezählt werden, sind sie inhaltlich gleich. Ken Wilber hatte sie in seinem System von oben und unten und rechts und links willkürlich angeordnet, in der Astrologie sind sie folgerichtlich aus den Raumverhältnissen der Horizont- und Vertikalachse (Zenith und Nadir) abgeleitet. In der Astrologie ergibt sich aus der Dreiteilung jedes Quadranten noch eine zusätzliche Differenzierung.

Aus astrologischer Sicht kann man so z.B. ermitteln, auf welchem Quadranten der Schwerpunkt der Entwicklung liegt und welche Kräfte dort anlagemässig vorhanden sind. Auch für jeden aktuellen Zeitpunkt können Angaben gemacht werden und so kann prozess-astrologisch die Weiterentwicklung unterstützt und verfolgt werden.


Nidana-Astrologie

Aus der Lehre des Buddha kannte ich die "Kette des Bedingten Entstehens" mit ihren zwölf Kettengliedern (nidana) . Und ich war von dem Buddhistischen Lebensrad (bhava chakra) fasziniert, das oft auf tibetischen Rollbildern (Thankas) zu sehen ist, auf dem diese zwölf Nidanas in einer Abfolge von Bildern zu sehen sind. Die Darstellung solcher Lebensräder fand man auch als Malereien in den Höhlen von Ajanta in Indien und die englischen Entdecker vermuteten gleich, dass es sich dabei um Darstellungen eines Tierkreises handeln könnte.

Eine tiefere Auseinandersetzung mit diesen Bildern, ihre Beschreibung, ihre historische Herkunft und ihr künstlerischer Ausdruck in der tibetischen Bilderwelt, dem Volksglauben und der Astrologie in Indien und Tibet, haben mich erkennen lassen, dass die Inhalte beider Lebensräder (Tierkreis und Nidanakette) korrespondieren, verglichen und für die astrologische Praxis genutzt werden können. So entstand mein Buch "Astro-Vidya" in dem ich diese Kette mit den astrologischen Grundelementen verglich und ihren Nutzen für eine spirituelle Astrologie herausstellte. Der praktische Wert ergab sich für mich auch daraus, dass bereits im Frühbuddhismus diese Kette des Bedingten Entstehens mit dem Achtfachen Pfad des Buddha in Bezug gesetzt wurde und auf dem Weg zum Erwachen, der Erleuchtung, der Realisation von GEWAHRSEIN eine Hilfe sein kann. Die folgende Grafik ist dem Buch "Die frühbuddhistische Philosophie" von Anagarika Govinda entnommen.

Meine Sicht auf die Astrologie erweiterte sich von der persönlichen Astrologie zur Humanistischen und Prozesorientierten Astrologie über die Transpersonale Astrologie zur Nidana-Astrologie", die ich darauf aufbauend entwickelt habe.

Je nach Fragestellung setze ich alle Perspektiven bei Beratungen und Anwendungen ein. In das Grundschema flossen Elemente aus der indischen Philosophie, der Lehre von Buddha und Tiefenpsychologie von C. G. Jung ein. In diesem Sinne ist ein Geburtstbild ein sehr differenziertes Mandala und ein Ausdruck des SELBST, das auch seine Verbindung mit den kosmischen Kräften beinhaltet.

Für die Interpretation benutze ich das folgende Schema und die folgenden Fragen:

Um was geht es bei diesem Menschen anlagemässig?

Wie verwirklicht er/sie diese Anlagen durch Handeln?

Was ist das Resultat oder Ziel daraus?

Wie ist seine seelische Grundstruktur mit den vier Funktionen?

Welche Transformationsmöglichkeiten hat diese Person?

Welche Talente hat diese Person? Und welche Stolpersteine auf dem Weg?

Was können alle diese Bedingtheiten zu seiner besten Entwicklung beitragen?

Welche Methoden einer Integralen Lebenspraxis sind für die Person am besten geeignet?

Fazit: Die Integrale Astrologie ist ein brauchbares Instrument zur Selbsterkenntnis, der Entfaltung der Persönlichkeit im zeitlichen Ablauf und auch hilfreich für die Integrale Lebenspraxis und Realisation von GEWAHRSEIN.

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