Gesundheit, Krankheit und Gewahrsein


Wege zu einer integralen Medizin und Therapie

Bereits in den Anfangsversen der frühindischen Samkhya-Philosophie wird darauf hingewiesen, dass die altbewährten Heilverfahren alleine nicht ausreichen, um Leiden zu beseitigen. Eine höhere Methode sei dazu die unterscheidende Erkenntnis von drei grundlegenden Prinzipien des Lebens: 1. Das gewahrende Prinzip im Menschen (purusha), das dem Menschen Bewusstsein verleiht, 2. eine Matrix der latenten Potentiale, die im Bewusstsein erscheinen können (avyakta prakriti) und 3. die aktuell im gegenwärtigen Bewusstsein erscheinenden Inhalte (vyakta prakriti) in all ihren Aspekten (materiell, psychisch und geistig).

Diese drei Prinzipien sind untrennbar und stehen damit untereinander in Wechselwirkung. Sie verursachen die Entstehung von Wachbewusstsein, Traumbewusstsein, die Unbewusstheit im Schlaf und Reines Gewahrsein. Verschiedene aussergewöhnliche Bewusstseinszustände können durch Meditation und andere Methoden (Drogen, Musik usw.) zum Vorschein gebracht werden. Alle diese Zustände beeinflussen die Gesundheit, Krankheit und die Heilungsprozesse. Aus dieser Sicht führt ein Ungleichgewicht der Kräfte zu einer Störung der Homöostase und damit zu Unwohlsein und Krankheit.

In der Lehre des Buddha und in der Tibetischen Medizinphilosophie werden Wahn, Hass und Gier als Fehlverhalten für die Störung des Gleichgewichts und damit als Ursache von Krankheiten angesehen. In der indischen Philosophie entsprechen diese drei Prinzipien den Gunas (Rajas, Tamas und Sattwas).

In der Phänomenologie geht man davon aus, dass Krankheiten sinnhafte Leibantworten auf Situationen im Phänomenalen Feld sind. Der Leib ist ein Ausdruck unseres Zur-Welt-Seins. Wenn jemand nicht mehr aus einer harmonischen Lebensbejahung heraus Sinn und Erfüllung im Leben findet, wird der Leib und die Seele krank. Und der Leidensdruck führt dazu, dass man nach neuen Perspektiven Ausschau hält. GEWAHRSEIN ist eine ultimative Perspektive.

In der Samkhya-Philosophie unterscheidet man drei Prinzipien als Ursache oder Bedingtheit von Leiden. Die potentiell vorhandenen und aktuellen Prinzipien, die sich nach unserem heutigen Verständnis als Informationen vorstellen kann. Die noch nicht erschienenen Potentiale sind Informationen, die in den Genen oder Quanten eingebunden sind und sich sich entfalten können, wenn die nötigen Bedingungen vorhanden sind. Und die bereits manifest gewordenen Inhalte korrelieren mit dem aktuellen Status der Genaktivitäten und Quenteninformationen. Das Ein- und Ausschalten von Genen steuert die Prozesse des Lebens und damit auch das Befinden, die Gesundheit und die Heilung von Krankheitsprozessen. Und diese wiederum nehmen Einfluss auf das psychische Befinden und das Selbstbild, das wir von unserem Körper und der Psyche haben. Epigenetisch beeinflusst das Verhalten wiederum die Genaktivitäten.

Meist vernachlässigter Faktor ist dabei das Prinzip des GEWAHRSEINS, das im Menschen nicht voll realisiert ist. Das allumfassende SELBST wird so auf einen kleinen Teil der Anlagen reduziert und wir befinden uns im Bewusstseinstunnel des Egos, der allein schon Grund genug ist, um uns aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Ken Wilber hat die Dreiheit zu seinem Modell der Vier Quadranten erweitert (AQAL = alle Quadranten alle Level), die auch für die Prozesse von Gesundheit/Krankheit und Heilung eine Rolle spielen.

Von allen vier Quadranten aus können Störungen kommen und für jeden Quadrant bedarf es einer Therapie, die ihm angemessen ist. Vom Mittelpunkt des Achsenkreuzes strahlt auch das GEWAHRSEIN durch alle Bereiche, deshalb spielt es bei den Prozessen von Krankheit und Heilung als oberstes Prinzip ebenfalls eine grosse Rolle. Durch die Präsenz von GEWAHRSEIN können Einseitigkeiten und Störungen viel schneller entdeckt werden als mit anderen Methoden.

GEWAHRSEIN als Heilungspotential bei Traumatisierungen

In seinem Buch Sprache ohne Worte vertritt der bekannte Traumaforscher Peter A. Levine die Auffassung, dass für die Transformation und Auflösung von traumatischen Erfahrungen vor allem durch drei wichtige Faktoren gelingen kann: Die Macht der Freundlichkeit und die siamesischen Zwillinge Verkörperung und Gewahrsein. Diese sind auch wertvolle und wirkungsvolle Instrumente für die Prävention. Sie bereichern das Leben und vertiefen die Selbsterkenntnis. Levine (S. 337): "Verkörperung heisst, wir erschliessen uns durch das Mittel des Gewahrseins die Fähigkeit, die unverfälschte Energie und Lebendigkeit der physischen Empfindungen zu fühlen, die in jedem Augenblick in unserem Körper pulsieren."

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Nicht erkanntes und gelebtes GEWAHRSEIN bringt Wahn, Hass und Gier hervor, ganz gleich unter welchen Bedingungen, in welcher Kultur und auf welcher Entwicklungsstufe der Gesellschaft. Wenn wir uns nicht darum bemühen und unsere Kultur positiv verändern, könnten wir bald selbst zu den Armen der Welt gehören, weil ausgemergelte, kranke, destruktive und orientierungslose Menschen kaum eine gesunde, leistungsfähige und kreativ-schöpferische Gesellschaft stützen können. Das Wissen um GEWAHRSEIN und eine geeignete Praxis ist ebenso notwendig und nachhaltig wie Bildung, Umweltökologie und Friedenspolitik. So notwendig die Heilung der gesamten Spirale auch sein mag, das Bild wird verzerrt und verführt Menschen leicht dazu, Erwachen und Erleuchtung zu unterschätzen oder zu vernachlässigen. Mit GEWAHRSEIN können kreativere Lösungen für die globalen Probleme gefunden werden als mit nur rationalem Denken. Ebenso in der Medizin und Therapie und bei der Erforschung der grundlegenden Entstehungsprozesse von Krankheit und Heilung.

Fazit: GEWAHRSEIN ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Prozesse von Gesundheit und Heilung.

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